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Dredd 3D [2012]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 05. Mai 2013
Genre: Action / Science Fiction

Originaltitel: Dredd 3D
Laufzeit: 95 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA / Indien / Südafrika
Produktionsjahr: 2012
FSK-Freigabe: Keine Jugendfreigabe

Regie: Pete Travis
Musik: Paul Leonard-Morgan
Darsteller: Karl Urban, Olivia Thirlby, Lena Headey, Wood Harris, Warrick Grier, Deobia Oparei, Domhnall Gleeson, Rakie Ayola, Desmond Lai Lan


Kurzinhalt:
In einer postapokalyptischen Welt rotten sich die Menschen in Mega-City One zusammen, wo 800 Millionen Bürger unter unterschiedlichsten Bedingungen, die meisten in Armut und Elend hausen. Einzige Instanz für Recht und Gerechtigkeit sind die Judges, Männer und Frauen des Justizpalastes, die Polizist, Richter und Henker in einer Person sind. Um sich zu bewähren, wird die Rekrutin Anderson (Olivia Thirlby) Judge Dredd (Karl Urban) für einen Tag an die Seite gestellt. Seine Beurteilung entscheidet, ob die übernatürlich begabte Rekrutin aufgenommen wird. Durch ihre Mutation kann sie in die Gedanken von Menschen blicken und auch deren Erinnerung lesen.
Sie reagieren auf ein gemeldetes Verbrechen in dem 200 Stockwerke umfassenden Komplex Peach Trees, das Reich der gefürchteten Ma-Ma (Lena Headey), deren Droge Slo-Mo derzeit die Stadt überschwemmt. Als die Judges Kay (Wood Harris), einen engen Mitarbeiter von Ma-Ma, überwältigen und abführen wollen, lässt sie das Gebäude vollständig abriegeln und ruft die Bewohner, vor allem aber ihre Privatarmee auf, Dredd und Anderson auszuschalten. Die einzige Chance der Judges besteht darin, sich bis nach oben zu ihr freizukämpfen ...


Kritik:
Es gibt nicht viel Schlechtes, das man über Dredd sagen kann. Der Aufwand der Produktion ist sichtbar, die Darsteller bringen ihre Rollen gut zur Geltung und dem Film haftet ein authentischer, schmutziger Look in einer düsteren Zukunftsvision an. Fans bekommen all das außerdem in einer aggressiven, aber darum sehr plastischen 3D-Präsentation zu sehen. Was die Macher in ihrem bleihaltigen Actionfilm nur vergessen ist, dass er auch Spaß machen sollte. Wobei die Fans der Comicreihe, auf der er basiert hier vielleicht widersprechen würden.

Eingerahmt wird die Erzählung von einem Kommentar des markigen Hauptcharakters, der uns informiert, dass die Erde großteils unbewohnbar ist. 800 Millionen Menschen leben auf engstem Raum in Mega-City One. Die einzigen, die hier für Recht und Ordnung sorgen sind die zahlenmäßig weit unterlegenen Judges, die Polizist, Ankläger, Jury, Richter und Henker in einer Person vereinen. Einer der bekanntesten in seinen Rängen ist Judge Joseph Dredd, dessen Vorname hier nicht einmal erwähnt wird. Er trägt seine Uniform nicht nur mit Würde, sondern mit einer Autorität, die vielen seiner Kollegen vorenthalten bleibt. Wie in der Vorlage, ist sein Gesicht in Dredd nie zu sehen, sein Helm bleibt stets auf dem Kopf. Er erhält die Aufgabe, der Rekrutin Anderson den Alltag im Leben eines Judges zu zeigen und ihre Leistungen anschließend zu bewerten. Obwohl sie den Einstellungstest nicht bestanden hat, wird erwogen, sie zu verpflichten, um sich ihre übernatürlichen Fähigkeiten zunutze zu machen. Auf Grund einer Mutation ist sie in der Lage, Gedanken zu lesen und in die Erinnerung von Menschen zu blicken.
Dredd und Anderson reagieren auf ein gemeldetes Verbrechen in einem Hochhausblock mit über 70.000 Bewohnern. In den 200 Stockwerken von Peach Trees regiert die Drogenbaronin Ma-Ma mit einer Rücksichtslosigkeit, durch die sie alle übrigen Gangs verdrängt hat. Die von ihr hergestellte und vertriebene Droge Slo-Mo grassiert wie ein Lauffeuer und sorgt dafür, dass wer sie nimmt die Zeit mit einem Bruchteil der normalen Geschwindigkeit wahrnimmt.

Bereits nach den ersten Minuten ist klar abgegrenzt, wer die Guten und wer die Bösen sind. Mitfiebern soll das Publikum wohl am ehesten mit der jungen Anderson, über die das Drehbuch immerhin einige Informationen verliert. Der Charakter von Dredd selbst bleibt nicht nur auf Grund dessen, dass sein Gesicht nie zu sehen ist, unnahbar. Auch hier mögen Fans des Comics argumentieren, dass er nur so für die Personifizierung des Gesetzes in einer gesetzlosen Gesellschaft stehen kann, doch entwickelt der Film kein wirkliches Gefühl der Bedrohung, wenn man über die Titelfigur nichts erfährt.

Mit Kay nehmen Dredd und Anderson einen Vertrauten von Ma-Ma in Gewahrsam, woraufhin sie den Wolkenkratzer abriegelt und sämtliche Bewohner aufruft, die Judges zu töten, sonst würde sie die Quarantäne aufrechterhalten. In dieser klaustrophobischen Situation entwickelt Dredd durchaus eine bedrohliche Atmosphäre. Doch versteht es das Drehbuch nicht, hieraus mehr zu machen. Stattdessen kämpfen sich Anderson und Dredd Stockwerk um Stockwerk nach oben und durchsieben dabei buchstäblich Hunderte Bösewichter mit allerlei möglichen Geschossen, welche ihre Multifunktionspistole hergibt. Hier zeigt sich auch, wofür das Slo-Mo tatsächlich dient, denn die Gewaltorgie wird von Regisseur Pete Travis nicht nur in 3D eingefangen, sondern mitunter in einer extremen Zeitlupe, die dabei an die aus Matrix [1999] stammende Bullet-Time erinnert. Zugegeben, die Optik ist beeindruckend und dadurch, dass weder die Namen, noch die Gesichter der Getöteten bekannt sind, verliert man den Bezug zu dem Gemetzel. Doch am Ende verbirgt sich dahinter nicht viel mehr als ein auf Film festgehaltenes Shooter-Videospiel, bei dem der Regisseur den Controller in der Hand hat und Horden von Gegnern niedermäht.

Die Comicverfilmung Judge Dredd [1995] mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle musste seiner Zeit viel Kritik einstecken, da insbesondere Kennern der Vorlage die Figur zu harmlos und weich dargestellt wurde. Doch gerade die Ironie jenes Films machte die gezeigte Gewalt erträglich und nahm ihr den Anspruch an Realismus. Dredd hingegen ist nicht nur gewalttätig, sondern stilisiert die Gewaltdarstellung, die von den Bösen wie den Helden gleichermaßen ausgeht. Das Zielpublikum mag dies unter dem Deckmantel eines Science Fiction-Films für Erwachsene rechtfertigen, letzten Endes suggeriert dies einen Anspruch, dem der Film auf Grund der mangelnde Aussage aber nicht gerecht wird.


Fazit:
Auch wenn Genrefans Dredd eine deutlich bessere Note bescheren als Judge Dredd seinerzeit, blieb der Film weit hinter den finanziellen Erwartungen zurück. Mögliche Erklärungen hierfür finden sich zuhauf, auch wenn eine nicht wirklich angesprochen wird: Vielleicht sind es Zuschauer leid, Gewalt auf der Leinwand zelebriert zu sehen. Tatsächliche Gewaltverbrechen an Schulen oder letzten Sommer in einem Kino in den USA lassen die Menschen womöglich erkennen, dass Gewalt nicht cool ist. Umso weniger, wenn sie von den vermeintlichen Identifikationsfiguren, also den Helden des Films ausgeübt wird.
Mit Dredd gelingt Filmemacher Pete Travis ein stilistisch überzeugender Science Fiction-Film mit einer passend schmutzigen Optik und einem großen Actionareal. Dass der Film trotzdem keinen Spaß macht, liegt an der ernsten, ironiefreien Umsetzung, die ausladend brutal ausfällt. Immerhin: Besitzer von 3D-Fernsehern dürfen sich auf einen plastischen Look freuen.


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